Magersucht - Anorexia nervosa

Was ist Magersucht?

Magersucht ist eine Essstörung, die besonders Mädchen und junge Frauen im Alter von 12 bis 25 Jahren und zunehmend (Anteil ca. 10% mit steigender Tendenz) junge Männer betrifft. Die Betroffenen halten meist eine strenge Diät oder verweigern Nahrung total und erreichen dadurch ein teilweise massives Untergewicht. Häufig beginnt die Magersucht kurz nach dem Einsetzen der ersten Regelblutung

Welche Ursachen hat die Magersucht?

Es handelt sich vermutlich um ein multifaktorielles Geschehen, d.h. persönliche, familiäre, genetische und äußere Reize wirken zusammen.

Psychologische Hintergründe:

>> Angst vorm Erwachsenwerden und Frau-
     Sein 

>> Angst vor einem „weiblichen Körper"

>> Konflikte in der Familie (perfektionistische
     asketische und sinnfeindliche Ideale, Behin-
     derung in der Selbstwerdung, Überbehütung)

Von der Persönlichkeit her sind Magersüchtige oft (zu) lieb und brav und konzentrieren dann gewissermaßen ihr gesamtes Widerstands-
potential in der Essensverweigerung.

Es besteht ein besonderes Risiko für Personen, von denen erwartet wird, dass sie besonders schlank sind (z.B. Fotomodelle und Ballett-
Tänzer).

Welche Krankheitszeichen treten auf?

>> Gewichtsverlust: Der BMI (Body-Mass-
     Index= Gewicht in kg geteilt durch Körper-
     größe in Metern zum Quadrat, Normalbe-
     reich 19 - 25). liegt unter 17, d.h. bei einer
     „normalen Köpergröße" von ca. 1,65 m fällt
     das Gewicht unter 45 kg. Der
Gewichtsver-
     lust ist mit Absicht herbeigeführt worden
,
     durch Diät, Bewegung, Diuretika, Abführ-
      mittel, Appetitzügler und /oder Erbrechen.

>> Körperschemastörung: Trotz starker Ge-
     wichtsabnahme, fühlt sich die Betroffene im-
     mer noch zu dick.

>> Veränderte Essgewohnheiten: Kalorienrei-
     che Nahrung wird gemieden. Das Essen wird
     zu einer Prozedur, selbst kleine Mahlzeiten
     dauern sehr lange.

>> Körperliche Schäden durch die Mangeler-
     nährung:  Ausfall der Monatsblutung durch
     Hormonstörung, Haarausfall, Reifungshem-
     mung.

>> Seelische Veränderungen: Die Betroffenen
     haben panische Angst vor der Gewichtszu-
     nahme, häufig sind sie depressiv und stark
     reizbar oder leben in sozialer Isolation.

Welche Komplikationen können entstehen?

>> Permanenter Hungerzustand und dadurch
     bedingter Nährstoffmangel löst eine Osteo
     porose (Verminderung von Knochensub-
     stanz) und Schäden an Herz, Leber, Niere
     und Gehirn aus. Bei Jugendlichen setzt
     eine Wachstumshemmung ein.

>> Es treten Müdigkeit und Konzentrations-

     schwäche auf.

>> Das psychische Gleichgewicht geht verlo-
     ren und Missmut, Depressionen und
     Selbstmordgedanken kommen auf. Da-
     zwischen kann es aber auch zu Hoch-
     stimmungen und Überlegenheitsgefühlen
     kommen (Stolz, das Hungergefühl besiegt
     zu haben).

>> Das Sterberisiko durch Selbstmord oder
     Unterernährung ist stark erhöht, bis zu
     18 % der Erkrankten sterben unmittelbar
     an den Folgen der Magersucht.

Wie wird Magersucht behandelt?

Die Krankheit hat sowohl körperliche als auch seelische Symptome, wodurch die Behandlung beide Gebiete abdecken muss.

>> Die stationäre Erstbehandlung in einer
     spezialisierten Abt. für Essstörungen ist
     die mit Abstand erfolgreichste Behand-
     lungsmethode. Dabei ist die
Bereitschaft
     der Betroffenen zur Gewichtszunahme

     eine unabdingbare Voraussetzungen.
     Zwangsmassnahmen haben in der Regel
     keinen oder negativen therapeutischen
     Erfolg!

>> Die Psychotherapie sollte auch die Fami-
     lie einbeziehen
, sofern das möglich ist.

>> Es sollte eine längerfristige ambulant-
     psychotherapeutische Nachbetreuung

     erfolgen, da der Heilungsverlauf sich über
     mehrere Jahre hinzieht.

>> Der regelmäßige und aktive Besuch einer
     
Selbsthilfegruppe z.B. der OA (Over-
     eaters anonymous), eine nach dem
     12-Schritte-Programm arbeitende Selbst-
     hilfegruppe für Menschen mit Ess-
     störungen, die regional fast überall er-
     reichbar ist) kann entscheidenden Einfluss
     auf den Gesundungswillen haben, da das
     Lernen an der Lebensgeschichte anderer
     oft leichter möglich ist als durch „Be-
     lehrungen" von Ärzten, Eltern etc.

>> Mitunter ist zeitweise oder längerfristig
     eine
Hormonbehandlung sinnvoll.

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